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28. Juni 2026

Was steckt hinter meiner Erschöpfung? Die 5 häufigsten Laborwerte, die keiner checkt

Kategorie: Labordiagnostik · Erschöpfung · Frauengesundheit
Lesezeit: ca. 8 Minuten
Autorin: Mara-Lena Maloiseau, Heilpraktikerin

Sie schlafen genug. Sie bewegen sich. Sie essen nicht schlecht. Und trotzdem: Diese bleierne Müdigkeit, die einfach nicht weicht. Ihr Arzt hat Blut abgenommen, alles war „unauffällig" — und Sie gehen nach Hause mit dem Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, aber niemand es findet.

Dieses Gefühl kenne ich aus meiner Praxis sehr gut. Und ich sage Ihnen: Es liegt meist nicht daran, dass nichts da ist. Es liegt daran, was gesucht wurde — und was nicht.

Das Standardblutbild, das in der Regelversorgung eingesetzt wird, ist ein wichtiges, aber grobes Werkzeug. Es erkennt viele akute Erkrankungen zuverlässig. Chronische, schleichende Dysbalancen — die Art, die sich als anhaltende Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Antriebslosigkeit oder Stimmungstief zeigt — rutschen dabei oft durch.

Hier sind die fünf Parameter, die ich bei Erschöpfung immer prüfe, und die im Standardlabor häufig fehlen.

1. Ferritin — nicht nur der Blutfarbstoff zählt

Das große Blutbild zeigt Hämoglobin und Hämatokrit. Sind diese Werte im Normbereich, gilt man als „nicht anämisch". Was dabei oft übersehen wird: Ferritin, der Eisenspeicher des Körpers, kann bereits massiv entleert sein, während das Hämoglobin noch unauffällig ist.

Man spricht dann von einem Eisenmangel ohne Anämie — oder einem präanämischen Eisenmangel. Dieser Zustand ist, insbesondere bei Frauen mit starker Menstruation, Endometriose oder Lipödem, erschreckend häufig.

Ferritin unter 30 ng/ml gilt medizinisch als Mangel. Viele Frauen fühlen sich erst ab Werten über 70–100 ng/ml wirklich erholt und leistungsfähig — dieser individuelle Bereich lässt sich nur durch Verlaufskontrollen ermitteln.

Typische Beschwerden bei leerem Eisenspeicher: Erschöpfung, Haarausfall, Frieren, Herzrasen unter Belastung, Konzentrationsschwäche, Restless-Legs-Syndrom.

2. fT3 und fT4 — nicht nur TSH

Der TSH-Wert ist der Standard-Screening-Parameter für die Schilddrüse. Er misst, wie stark die Hirnanhangsdrüse die Schilddrüse stimuliert — und ist damit ein indirekter Wert. Er sagt wenig darüber aus, wie viel aktives Schilddrüsenhormon tatsächlich in den Zellen ankommt.

Entscheidend sind fT3 und fT4: das freie, aktive Trijodthyronin und das freie Thyroxin.

Folgender Fall ist in der Praxis häufig: TSH liegt im Referenzbereich, fT3 ist jedoch niedrig-normal oder erniedrigt. Das bedeutet: Die Schilddrüse produziert ausreichend T4, aber die Umwandlung zu aktivem T3 — die vor allem in der Leber und im Darm stattfindet — funktioniert nicht optimal. Dieses Muster wird auch als Konversionsproblem bezeichnet.

Mögliche Ursachen: Selenium- oder Zinkmangel, chronischer Stress (Cortisol hemmt die T4-T3-Konversion), Darmdysbiose, chronische Entzündung.

Typische Beschwerden bei funktioneller Hypothyreose: Erschöpfung trotz normalem TSH, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme ohne veränderte Ernährung, trockene Haut, langsame Denkprozesse, depressive Verstimmung.

3. Vitamin D — unterschätzt und selten ausreichend gemessen

Vitamin D ist streng genommen ein Hormon, kein Vitamin. Es reguliert weit mehr als nur den Knochenstoffwechsel: Immunfunktion, Stimmungsregulation, Muskelkraft, Entzündungshemmung und Zellreifung sind nur einige seiner Aufgaben.

Gemessen wird der 25-OH-Vitamin-D3-Spiegel im Serum. Laut aktueller Studienlage gelten Werte unter 20 ng/ml als Mangel; unter 30 ng/ml als suboptimal. Viele Funktionsmediziner sehen den optimalen Bereich bei 40–70 ng/ml.

In Mitteleuropa haben schätzungsweise 60–80 % der Bevölkerung im Winter suboptimale Spiegel — und wer sich wenig im Freien aufhält, chronisch krank ist oder dunkle Haut hat, ist ganzjährig gefährdet.

Vitamin D wird im gesetzlichen Standardlabor nur auf ausdrücklichen ärztlichen Verdacht hin bestimmt — ein wesentlicher Grund, warum Mängel so lange unentdeckt bleiben.

Typische Beschwerden bei Vitamin-D-Mangel: Erschöpfung, häufige Infekte, Muskelschmerzen, depressive Verstimmung, Schlafprobleme, diffuse Schmerzen.

4. Holotranscobalamin — das aktive Vitamin B12

Der Standard-B12-Wert im Blut misst das Gesamt-Cobalamin — also aktives und inaktives B12 zusammen. Das Problem: Ein großer Teil des gemessenen B12 kann an inaktive Transportproteine gebunden sein und steht den Zellen gar nicht zur Verfügung.

Aussagekräftiger ist das Holotranscobalamin (HoloTC), das nur den zellverfügbaren Anteil misst. Noch spezifischer ist die Methylmalonsäure im Urin — sie steigt an, wenn B12 funktionell nicht ausreicht, selbst bei normalem Serum-B12.

Risikogruppen für funktionellen B12-Mangel: Menschen mit Magenproblemen oder Protonenpumpen-Hemmer-Einnahme, Vegetarier und Veganer, ältere Menschen, Frauen die lange die Pille eingenommen haben (Pille verbraucht B-Vitamine), und Menschen mit genetischen MTHFR-Varianten.

Typische Beschwerden: Erschöpfung, Kribbeln in Händen und Füßen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Stimmungsschwankungen, Anämie.

5. Cortisol-Tagesprofil und DHEA-S — die vergessene Nebenniere

Chronischer Stress hinterlässt Spuren — nicht nur psychisch, sondern biochemisch messbar. Die Nebenniere produziert Cortisol (unser Hauptstresshormon) und DHEA-S (ein Gegenspieler mit aufbauender, schützender Wirkung).

Ein einmaliger Blut-Cortisolwert am Morgen, wie er gelegentlich bestimmt wird, ist wenig aussagekräftig. Viel aufschlussreicher ist ein Speichelcortisol-Tagesprofil: vier Messungen über den Tag verteilt zeigen, wie die Cortisolkurve wirklich verläuft.

Typische Muster bei chronischer Erschöpfung:

  • Morgencortisol erniedrigt → schweres Aufwachen, kein Antrieb morgens
  • Abendcortisol erhöht → abends hellwach, Einschlafprobleme, innere Unruhe
  • DHEA-S erniedrigt → beschleunigte Erschöpfung, verringerte Stressresilienz

Dieses Muster wird in der Naturheilkunde als adrenale Erschöpfung bezeichnet — ein Zustand, der sich nach Jahren unter chronischem Druck entwickelt.

Typische Beschwerden: Morgens kaum aus dem Bett kommen, nachmittags erschöpft, abends aufgedreht. Salzgelüste, häufige Infekte, emotionale Empfindlichkeit, Schwierigkeiten sich zu erholen.

Was das bedeutet — und was ich in der Praxis tue

Keiner dieser Parameter ersetzt das klinische Bild. Laborwerte sind Hinweise, keine Diagnosen. Was sie bieten, ist Orientierung: Wo sind Lücken? Wo braucht der Körper Unterstützung? Wo beginnen wir?

In meiner Praxis erhebe ich bei Erschöpfung — je nach Beschwerdebild — ein erweitertes Labor, das unter anderem diese fünf Parameter einschließt, ergänzt durch Entzündungsmarker (hsCRP, Homocystein), Vollblutmineralien (Magnesium, Selen, Zink) und gegebenenfalls einen Hormonstatus.

Das Ziel ist kein Zahlenoptimieren. Das Ziel ist, dass Sie sich wieder wie Sie selbst fühlen.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder heilpraktische Beratung. Die genannten Laborparameter, Referenzbereiche und Beschwerdemuster sind als Orientierung zu verstehen. Eine fundierte Diagnostik und Therapieempfehlung setzt immer eine persönliche Anamnese und Untersuchung voraus.

Heilpraktikerleistungen sind Selbstzahlerleistungen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen diese Leistungen in der Regel nicht.

Haben Sie Fragen zu Ihrer persönlichen Situation? Ich freue mich auf Ihre Nachricht.
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Mara-Lena Maloiseau
Heilpraktikerin · Praxis Maloiseau
www.praxis-maloiseau.de

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